ANTON KITZMÜLLER

 

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Texte aus Katalogen und Büchern

 

Nach seinen Studien an der Universität für künstlerische Gestaltung in Linz und an der Universität für angewandte Kunst in Wien entwickelte sich Anton Kitzmüller zu einer eigenständigen Künstlerpersönlichkeit. In formaler Hinsicht kann Kitzmüller als Brückenbauer zwischen den Zeiten gesehen werden. In den letzten drei Jahren hat er seine Malerei noch einmal weiterentwickelt: Dominierten bis 2018 klare Formen, so sind die jüngsten Arbeiten durch dynamisch - strukturierte Texturen geprägt. Dass Anton Kitzmüller ein wahrer Meister des Lichts ist, belegen die im Rahmen der Fair for Art Vienna präsentierten Werke sehr eindrucksvoll. Aus Fair for Art Vienna, Galerie Szaal 2022

 

Das Streben nach neuen ästhetischen Visionen ist eines der wichtigsten Merkmale im Œuvre von Anton Kitzmüller. Er setzt die Tradition der Malerei fort, indem er neue Möglichkeiten erforscht und Synthesen auf Grundlage der Vergangenheit formuliert. Er nimmt dabei immer wieder Bezug auf die Klassische Moderne und beleuchtet alternative Sichtweisen auf die sich im Zeitstrom verändernde Welt und ihre kulturelle Identität. Anton Kitzmüllers Werk umfasst drei große Themenkomplexe: Interieur, Landschaft und Figuration. Diese zeigen sich auch in den neuen Arbeiten, wollen aber weder literarisch noch phantastisch, sondern nach einem individuellen Konzept poetisch sein. Bei den Landschaften nimmt das Motiv des „Weges“ als Symbol für unser sich sukzessive entfaltendes Leben einen zentralen Stellenwert ein, wobei der Künstler meist neutrale Orte für seine Bildschöpfungen nimmt. Eine Ausnahme stellen hier die „Allee in Schönbrunn“ sowie seine Städtebilder dar, in denen konkrete Straßenzüge wie die Bäckerstrasse oder die Kleeblattgasse zum Ausgangspunkt werden. Kitzmüllers Duktus ist auf der einen Seite sachlich, ruhig und klassisch und andererseits sehr lebendig. Darüber hinaus begeistern seine jüngsten Gemälde durch das Spiel des Lichts sowie vermehrte Helligkeit und eine Zurücknahme der Farbigkeit, weil der Künstler sich zunehmend der Primamalerei mit Ölfarbe verschreibt. Gleichzeitig nehmen die Figuren weniger Raum im Bild ein, was im Betrachter das Gefühl entspannter Weite entstehen lässt. Aus Anton Kitzmüller, Galerie Szaal 2019

 

Unser Leben als Menschen ist von der Evolution und einem daraus resultierenden ständigen Wandel geprägt. Dieser vollzieht sich auf persönlicher wie gesellschaftlicher Ebene oft schleichend, langsam und unbemerkt, dann wieder überraschend und sprunghaft. Den vielfältigen Ursachen und Triebfedern von Veränderung spürt Kitzmüller in seinen Werken nach, in denen er die Wechselwirkung von äußeren Lebensumständen und innerer Befindlichkeit thematisiert. Die Darstellung des Menschen im Oeuvre des Malers ist also nicht gespeist von aktuellen Tendenzen zu einer Neuen Figuration, sondern vermittelt vielmehr tiefenpsychologisch deutbare Inhalte und beantwortet Fragen nach dem Sinn unserer menschlichen Existenz. Gleichzeitig erfahren auch die Werke von Gustav Klimt, Egon Schiele oder Edvard Munch eine Veränderung durch die Einbettung in Kitzmüllers malerischen Kosmos. Die Auseinandersetzung mit René Magritte führt darüber hinaus dazu, dass ein ganz neues Element Einzug in Kitzmüllers Schaffen hält: Der Humor. Mit surreal anmutendem Witz lockert der Künstler die Ernsthaftigkeit der von ihm gewählten Thematik auf und führt die Reflexion über den Prozess der Verwandlung auf eine neue Ebene heiterer Leichtigkeit. Ein Hauptthema, dem sich Anton Kitzmüller seit 1992 verschrieben hat, ist der Motivkomplex des Cafés. Allerdings sind auch hier in den neueren Arbeiten deutliche Zeichen der Veränderung abzulesen: Waren die Gemälde früherer Schaffensperioden gekennzeichnet von metaphysischer Leere einerseits oder der Dominanz einer Person im Bild andererseits, so hat nunmehr eine Synthese beider Elemente stattgefunden. Figur und Raum werden gleichermaßen Aufmerksamkeit zuteil, sodass sich für den Betrachter mehrere Anknüpfungspunkte für eine intellektuelle wie emotionale Beschäftigung mit den Gemälden bieten. Mit betont inhaltlicher Sinngebung und Bezügen zur europäischen Kulturgeschichte stellt sich Anton Kitzmüller gegen die weitgehend sinnentrückte Beliebigkeit der Gegenwart. Häufig begegnen wir in den jüngsten Werken des Künstlers Figuren in Rückenansicht. Dies ermöglicht dem Betrachter, sich mit der dargestellten Person zu identifizieren, wie diese einen neuen Blickwinkel einzunehmen und eine Schwelle zu überschreiten. Diese Schwelle, die es im Zuge der persönlichen Metamorphose zu überwinden gilt, wird von Kitzmüller mittels Türen, Toren, Fenstern und Vorhängen dargestellt. Abschließend ist es interessant festzustellen, dass die Gemälde Anton Kitzmüllers sehr häufig im Quadratformat gehalten sind. Dieses gilt seit seiner Verwendung durch die Sezessionisten nicht nur als das „österreichischste“ unter den Formaten, sondern kann vor allem als die Form der Ruhe und Ausgeglichenheit angesehen werden. Aus Mag. Gerlinde Szaal, Metamorphosen, 2014

 

Der Maler Anton Kitzmüller lässt sich keiner der gängigen Stilrichtungen eindeutig zuordnen, bringt aber dennoch die Geisteshaltung unserer Zeit in seismographischer Präzision zum Ausdruck. Bald nach seinen Anfängen suchte er, basierend auf den Techniken der alten Meister und den Revolutionen der Klassischen Moderne, sein eigenes Form- und Aussagewollen zu konkretisieren. Im Widerspruch zur damals herrschenden Abstraktion widmete er sich dem Studium des Menschenbildes an Modellen, geschult am Verismus der neuen Sachlichkeit und an der Tiefenlotung des Seins durch den Expressionismus. Die zeitlich folgende Rückbesinnung auf Natur und Stadtlandschaft veranlasste Kitzmüller zur Erprobung impressionistischer Mittel und eines formalen strengen Bildaufbaues mit der Zielsetzung einer poetischen realistischen Widergabe. Hinter dem künstlerischen ästhetischen Vortrag dieser Landschaftsbilder in einer von Kitzmüller bevorzugten zyklischen Werkfolge liegt aber auch ein durchgängiges spirituelles Aussagewollen: Die Natur wird zur Metapher für den Weg allen Lebens, vom Keimen über Blühen und Reifen bis zum Absterben und Wiederauferstehen. Mit betonter inhaltlicher Sinngebung stellt sich der Maler gegen die sinnentrückte Beliebigkeit der Gegenwart. Neue, den vorangegangenen Arbeiten nahezu diametrale Formmittel wendet Kitzmüller im nächsten Werkzyklus Café-Bar-Interieur an. Teile von Innenräumen treten nun and die Stelle des Außenraumes. Der Mensch scheidet daraus nach und nach aus. Ihn ersetzen Möbel als Allegorien für Leere und fehlende Kommunikation. Als Sprachmittel für den Ausdruck zeitgenössischer Befindlichkeiten bot sich für Anton Kitzmüller stilistisch die Neue Sachlichkeit an, jedoch im Gegensatz zu dieser ausgestattet mit starken Licht- und Schattenwirkungen, sowie mit einer dem Schaffen dieses Künstlers immanenten Transzendenz. Der neu hinzugewonnene Bedeutungsgehalt, hervorgerufen durch die mythische Aura der Räume und Objekte, verbunden mit plakativen, nahezu fotorealistischen Signalen, lenkt den Blick hinter die geglättete Oberfläche und vermittelt so tiefenpsychologisch nachvollziehbare Inhalte. Im nächsten Werkzyklus Bandoneón blieb das Thema des Innenraumes erhalten, wurde dennoch durch die Integration von symbolhaft eingesetzten Details erweitert. Neben Pflanzen und Stillleben, wie die Wiedereinbindung des Menschen, gewinnen Hommagen, wie sie Kitzmüller nennt, in Form von Bild im Bild Zitaten inhaltliche Bedeutungen. Bereits in seiner kurzen, der Wiener Schule des Phantastischen Realismus nahe stehender Anfangsphase zitierte der Künstler in dieser Weise. Womit wir am Ende der Kunstentwicklung, wie vorläufig auch des individuellen Entwicklungsprozesses von Kitzmüller an eines "Work in Progress" angelangt sind: Bei der Zitierfreude der Postmoderne, welche Anton Kitzmüller auf seine eigene Weise, als schon lang vor dem marktbeherrschenden Trend nicht abgeschaut, sondern als individuellen Aussagemodus entwickelt hat. Der Gefahr voreiliger Interpretation unterliegt die aktuelle Malerei Kitzmüllers auch in einem anderen Bereich. Die Wiedereinbindung des Menschen in seine Bilder scheint ein Zugeständnis an die aktuelle Neue Figuration zu sein. Ist es aber nicht. Dieser fügt Kitzmüller die, leider schon längst nicht mehr von der Kunst geforderten Einheit von Form, Inhalt und Aussage hinzu, wobei er nunmehr auch der menschliche Figur als Vermittler von Sinnhaftigkeit und Spiritualität neuer Wert verleit. Mit dem Werkzyklus Bandoneón ist der Künstler auch erstmals von der Verwendung realer Situationen vor Ort abgegangen, und hat sich seine eigenen Räume gebaut. Durch ihre Vergeistigung und deren Ausstrahlung auf den Betrachter sind sie zu inneren Räumen geworden, im Sinne des Erschaffens einer eigenen Bilderwelt, wie sich schon am Beginn von Kitzmüllers Schaffen als vorgegebenes Ziel stand. Sie wird nun zum Sprachmittel für humanistische und weltanschauliche Vorstellungen. In einigen dieser Bilder kommt es durch Fensterausblicke zu einer Synthese von Innenraum und Naturlandschaft, was den durch ersteren hervorgerufenen Gefühlen von Leere und Verlassenheit mit einer im Wortsinn gelegenen Aussicht auf eine mögliche Wende entgegen wirkt. Das ist zum Bild gewordene Psychoanalyse. So gesehen ist Kitzmüller in Theorie und Praxis, stilistisch, inhaltlich und in seinen analytischen Aussagen ein Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Zukunft, ein Bewahrer vergessener oder verdrängter Erfahrungen der alten Meister, welcher in unserer Zeit demonstriert, wie man heute und in Zukunft damit schöpferisch und durchaus zeitgemäß umgehen kann. Aus Dr. Maria Buchsbaum, Bandoneón, 2005

 

Das künstlerische Schaffen Anton Kitzmüllers ist von der Malerei geprägt, und zwar von einer Ölmischtechnik, die trotz Wandlung in der Ausdrucks- und Gestaltungsweise, vom technischen Aufbau her von allem Anfang konstant ist. Im Wechselspiel zwischen Prima- und Lasurmalerei findet er die Möglichkeit, erschaute Figur und erfahrene Form künstlerisch auszuloten. Der erste Abschnitt von 1985 bis 1991 war zweifelsohne von der Suche nach sich selbst, von der Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich geprägt. Im Vordergrund standen hier figurale Arbeiten, wobei alle dargestellten Personen der Umgebung des Malers entstammten. Die größte Bedeutung kam wohl dem Selbstbildnis zu. Im Grunde war es die Innenwelt des Malers, die hier an die Oberfläche drängte. Die Einflüsse der alten Meister, aber auch der klassischen Moderne wurden hier sichtbar, erfuhren aber besonders gegen Ende eine persönliche Aufarbeitung. Zwischen 1992 und 1995 machte die tiefgründige Seelenforschung der Alltäglichkeit Platz. Das Kaffeehaus, die Welt der Medien und die daraus resultierenden modernen Mythen, werden zum breiten Themenspektrum das ihn fasziniert. Die erschauten, oft leeren Hüllen beherrschen die Bildinhalte und werden zu einem Synonym für eine Zeit, die der Vordergründigkeit viel abgewinnen kann. Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten gaukeln eine bunte Welt vor. Kitzmüller will aber die Dinge nur darstellen und das Geschehen beleuchten, ohne selbst in dieses involviert zu sein. Die Welt des Inneren und die Welt des Äußeren, beides sehr ausschließlich behandelt, kumulieren in der dritten Arbeitsphase. In der Erkenntnis wurzelnd, das es ein Innen ohne Außen ebenso wenig gibt wie ein Außen ohne Innen, richtet sich das Gedankengut Kitzmüllers auf die Zusammenhänge und Kausalitäten, die die Menschheit von Anbeginn ihres Seins beschäftigten. Das Ineinanderfließen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von Realität und Irrealität, von Materie und Energie, von Mensch und Natur, von begrenztem Leben und unendlicher Zeit klingen in den Arbeiten ab 1996 mit, auch wenn diese, zumindest auf den ersten Blick sich in Natur und Landschaften, in Häuserzeilen und Dachlandschaften wieder findet. Aus Graphische Kunst, Edition Visel 2000

 

Die Faszination mit den Mitteln der Malerei Erinnerungsbilder an frühere Bilderfahrungen zu gestalten ist zentraler Motor für die künstlerische Arbeit von Anton Kitzmüller. Seine Bilder, die in den letzten Jahren entstanden sind, sind stets abbildhaft, also bildhafte Objektzitate. Aus Mag. Dr. Peter Assmann, Petite Fleur, 1995


 

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