Texte aus Katalogen, Büchern und Presseberichten

 

Ein Brückenbauer für die Zukunft
aus Katalog Bandoneón, Dr. Maria Buchsbaum

 

Schöpferische Ambivalenzen gegenüber der Zeitgenossenschaft kennzeichnen den Maler Anton Kitzmüller. Er lässt sich keiner der gängigen Stilrichtungen eindeutig zuordnen, bringt aber dennoch die Geisteshaltung unserer Zeit in seismographischer Präzision zum Ausdruck. Bald nach seinen Anfängen lehnte er den Mainstream ab und suchte, basierend auf den Techniken der alten Meister und den Revolutionen der Klassischen Moderne, sein eigenes Form- und Aussagewollen zu konkretisieren. Im Widerspruch zur damals herrschenden Abstraktion widmete er sich dem Studium des Menschenbildes an Modellen, geschult am Verismus der neuen Sachlichkeit und an der Tiefenlotung des Seins durch den Expressionismus.

Die zeitlich folgende Rückbesinnung auf Natur und Stadtlandschaft veranlasste Kitzmüller zur Erprobung impressionistischer Mittel und eines formalen strengen Bildaufbaues mit der Zielsetzung einer poetischen realistischen Widergabe. Hinter dem künstlerischen ästhetischen Vortrag dieser Landschaftsbilder in einer von Kitzmüller bevorzugten zyklischen Werkfolge liegt aber auch ein durchgängiges spirituelles Aussagewollen: Die Natur wird zur Metapher für den Weg allen Lebens, vom Keimen über Blühen und Reifen bis zum Absterben und Wiederauferstehen. Mit betonter inhaltlicher Sinngebung stellt siech der Maler gegen die sinnentrückte Beliebigkeit der Gegenwartskunst.

Neue, den vorangegangenen Arbeiten nahezu diametrale Formmittel wendet Kitzmüller im nächsten Werkzyklus Café-Bar-Interieur an. Teile von Innenräumen treten nun and die Stelle des Außenraumes. Der Mensch scheidet daraus nach und nach aus. Ihn ersetzen Möbel als Allegorien für psychischen Leere und Kommunikationsproblematik. Als Sprachmittel für den Ausdruck zeitgenössischer Befindlichkeiten bot sich für Anton Kitzmüller stilistisch die Neue Sachlichkeit an, jedoch im Gegensatz zu dieser ausgestattet mit starken Licht- und Schattenwirkungen, sowie mit einer dem Schaffen dieses Künstlers immanenten Transzendenz. Der neu hinzugewonnene Bedeutungsgehalt, hervorgerufen durch die mythische Aura der Räume und Objekte, verbunden mit plakativen, nahezu fotorealistischen Signalen, lenkt den Blick hinter die geglättete Oberfläche und vermittelt so tiefenpsychologisch nachvollziehbare Inhalte.

Im nächsten Werkzyklus Bandoneón blieb das Thema des Innenraumes erhalten, wurde dennoch durch die Integration von symbolhaft eingesetzten Details erweitert. Neben Pflanzen und Stillleben, wie die Wiedereinbindung des Menschen, gewinnen Hommagen, wie sie Kitzmüller nennt, in Form von Bild im Bild Zitaten inhaltliche Bedeutungen. Bereits in seiner kurzen, der Wiener Schule des Phantastischen Realismus nahe stehender Anfangsphase zitierte der Künstler in dieser Weise. Womit wir am Ende der Kunstentwicklung, wie vorläufig auch des individuellen Entwicklungsprozesses von Kitzmüller an eines work in progress angelangt sind: Bei der Zitierfreude der Postmoderne, welche Anton Kitzmüller auf seine eigene Weise, als schon lang vor dem marktbeherrschenden Trend nicht abgeschaut, sondern als individuellen Aussagemodus entwickelt hat.

Der Gefahr voreiliger Interpretation unterliegt die aktuelle Malerei Kitzmüllers auch in einem anderen Bereich. Die Wiedereinbindung des Menschen in seine Bilder scheint ein Zugeständnis an die aktuelle Neue Figuration zu sein. Ist es aber nicht. Der Oberflächlichkeit und Geschwätzigkeit dieser neuen Mode setzt Kitzmüller die, leider schon längst nicht mehr von der Kunst geforderten Einheit von Form, Inhalt und Aussage entgegen, wobei er nunmehr auch der menschliche Figur als Vermittler von Sinnhaftigkeit und Spiritualität neuer Wert verleit.

Mit dem Werkzyklus Bandoneón ist der Künstler auch erstmals von der Verwendung realer Situationen vor Ort abgegangen, und hat sich seine eigenen Räume gebaut. Durch ihre Vergeistigung und deren Ausstrahlung auf den Betrachter sind sie zu inneren Räumen geworden, im Sinne des Erschaffens einer eigenen Bilderwelt, wie sich schon am Beginn von Kitzmüllers Schaffen als vorgegebenes Ziel stand. Sie wird nun zum Sprachmittel für humanistische und weltanschauliche Vorstellungen. In einigen dieser Bilder kommt es durch Fensterausblicke zu einer Synthese von Innenraum und Naturlandschaft, was den durch ersteren hervorgerufenen Gefühlen von Leere und Verlassenheit mit einer im Wortsinn gelegenen Aussicht auf eine mögliche Wende entgegen wirkt. Das ist zum Bild gewordene Psychoanalyse.

So gesehen ist Kitzmüller in Theorie und Praxis, stilistisch, inhaltlich und in seinen analytischen Aussagen ein Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Zukunft, ein Bewahrer vergessener oder verdrängter Erfahrungen der alten Meister, welcher in unserer Zeit demonstriert, wie man heute und in Zukunft damit schöpferisch und durchaus zeitgemäß umgehen kann.

 

Auf der Suche nach dem Sein
aus Graphische Kunst, Prof. Gertrude Haider-Grünwald

 

Nach wechselvollen künstlerischen Phasen, die differenzierte Anlehnungen an alte Meister aber auch an klassische Moderne brachten, entwickelte er sich konsequent zu einer eigenständigen, kaum in ein Schema passenden Künstlerpersönlichkeit, deren Werk uns zwar durchaus der Zeit entsprechend, aber ganz bewusst nicht dem öffentlichen Modediktat huldigend begegnet. Gerade deshalb zieht es seien Betrachter in den Bann. Egal ob der Figur, die den Anfang seines Schaffens dominierte, der Landschaft, oder dem Interieur, das gegenwärtig zu einem sehr zentralen Thema seines Schaffes wurde.

Solchermaßen ergibt sich eine abwechslungsreiche Palette an gedanklicher und bildnerischer Umsetzung, die nicht zuletzt auch in technischer Hinsicht vielschichtig ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass das künstlerische Werk schon auf Grund des notwendigen Entwicklungs- und Reifungsprozesses strukturierungsbedürftig ist. Anton Kitzmüller hat die Jahre, die seine ausschließliche Hinwendung zur Kunst bisher umfassten, aber zweifelsohne dazu genutzt, eine klare Linie und sichtbare Kontinuität seines schöpferischen Potentials zu finden und überzeugend zu dokumentieren. Will man diesem Potential und dem daraus resultierenden Werk in seiner ganzen Bandbreite und aufbauenden Qualität in der Interpretation gerecht werden, ist eine Gliederung notwendig.

Das künstlerische Schaffen Anton Kitzmüllers ist offensichtlich von der Malerei geprägt, und zwar von einer Ölmischtechnik, die trotz Wandlung in der Ausdrucks- und Gestaltungsweise, vom technischen Aufbau her von allem Anfang konstant ist. Im Wechselspiel zwischen Prima- und Lasurmalerei findet der Künstler die Möglichkeit, erschaute Figur und erfahrene Form künstlerisch auszuloten. Man kann, einzelne Zwischenphasen außer Acht lassend, generell drei Hauptperioden in Kitzmüllers künstlerischen Schaffen definieren:

Der erste Abschnitt von 1986 - 1991 war zweifelsohne von der Suche nach sich selbst, von der Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich geprägt. Im Vordergrund standen hier figurale Arbeiten, wobei praktisch alle dargestellten Personen der unmittelbaren Umgebung des Malers entstammten. Die größte Bedeutung kam wohl dem Selbstbildnis zu. Im Grunde war es die Innenwelt des Malers, die hier an die Oberfläche drängte, sich selbst formend und in der bildnerischen Umsetzung nach Bestätigung suchend. Es war die Hinterfragung der eigenen Persönlichkeit, die gerade während und unmittelbar nach der Akademiezeit Neuland betreten, sich immer wieder aufs neue behaupten, sich anpassen, auf jeden Fall aber grundlegende Richtung einschlagen musste. Bewährtes wurde zum sicheren Halt. Die Einflüsse der alten Meister, aber auch der klassischen Moderne wurden hier sichtbar, erfuhren aber besonders gegen Ende eine persönliche Aufarbeitung.

Extreme Ausrichtungen haben meist nicht weniger extreme Gegengewichte zur Folge: Nach der totalen Konzentration auf sein Inneres wurde für Anton Kitzmüller im (thematisch und umsetzungstechnisch) neuen Abschnitt als Gegenüberstellung zur bisher gemachten Erfahrung und der damit verbundenen künstlerischen Aufbereitung zum Zentrum seines Schaffens. Zwischen 1992 und 1995 machte die tiefgründige Seelen- und Ichforschung der Alltäglichkeit Platz. Das Kaffeehaus, die Welt der Medien und die daraus resultierenden modernen Mythen, werden zum breiten Themenspektrum das den Künstler fasziniert. Die erschauten, oft leeren Hüllen beherrschen die Bildinhalte und werden zu einem Synonym für eine Zeit, die der Vordergründigkeit, der Oberflächlichkeit viel abgewinnen kann. Man glaubt, was man sieht. Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten gaukeln eine funktionierende, bunte und wohl auch konsumorientierte Welt vor. Eine Welt ohne Tiefgang. Der Künstler will aber stets die Dinge nur festhalten, die Dinge darstellen. Er ist der Erzähler, der das Geschen beleuchtet, ohne selbst in dieses involviert, ohne persönlich von ihm betroffen zu sein.

Die Welt des Inneren und die Welt des Äußeren, beides sehr ausschließlich in der jeweiligen Phase behandelt, kumulieren schließlich in der sich anschließend etablierenden dritten Arbeitsphase des Künstlers. Vielleicht sogar in der Erkenntnis wurzelnd, das es ein Innen ohne Außen ebenso wenig gibt wie ein Außen ohne Innen, richtet sich das Gedankengut Kitzmüllers auf die Zusammenhänge und Kausalitäten, die die Menschheit von Anbeginn ihres Seins beschäftigten. Das Ineinanderfließen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von Realität und Irrealität, von Materie und Energie, die unleugbare Einheit von Geist und Körper, von Mensch und Natur, von begrenztem Leben und unendlicher Zeit, von Tod und Wiedergeburt klingen in den Arbeiten ab 1996 mit, auch wenn diese, zumindest auf den ersten Blick sich in Natur und Landschaftsszenen, in Häuserzeilen und Dachlandschaften wieder findet.

Eine künstlerische Zuordnung der in diesem Schaffensabschnitt entstanden Werke ist nur bedingt möglich, die Thematik und die in ihr offenbar werdende, erahntes und überliefertes Wissen menschlichen Seins bergende geistige Symbolik ist viel zu tiefschürfend und philosophisch geprägt, um als wehmütige, Nostalgie verbreitende Romantik unter ihrem Wert geschlagen zu werden.

 

Anton Kitzmüller, Metamorphosen
aus Katalog Metamorphosen, Mag. Gerlinde Szaal

 

Unser Leben als Menschen ist von der Evolution und einem daraus resultierenden ständigen Wandel geprägt. Dieser vollzieht sich persönlicher wie gesellschaftlicher Ebene oft schleichend, langsam und unbemerkt, dann wieder überraschend und sprunghaft. Den vielfältigen Ursachen und Triebfedern von Veränderung spürt Kitzmüller in seinen Werken nach, in denen er die Wechselwirkung von äußeren Lebensumständen und innerer Befindlichkeit thematisiert. Die Darstellung des Menschen im Oeuvre des Malers ist also nicht gespeist von aktuellen Tendenzen zu einer dekorativen Neuen Figuration, sondern vermittelt vielmehr tiefenpsychologisch deutbare Inhalte und beantwortet Fragen nach dem Sinn unserer menschlichen Existenz.
Fünf Hauptthemen beschäftigen Anton Kitzmüller in seiner jüngsten Werkphase: Es ist dies zum einen das Mittel der Hommage, das der Künstler immer wieder einsetzt, um den eigenen Blickwinkel zu verändern, um mit Malern der österreichischen wie internationalen Kunstgeschichte in Beziehung zu treten und ihre Bedeutung für die Gegenwart auszuloten. Zudem sollen im Betrachter Bereitschaft und Mut gefördert werden, sich der transformierenden Kraft von Meisterwerken der bildenden Kunst bewusst auszusetzen und sich auf einen Diskurs mit diesen einzulassen. Gleichzeitig erfahren aber auch die Werke von Gustav Klimt, Egon Schiele oder Edvard Munch eine deutliche Veränderung durch die Einbettung in Kitzmüllers malerischen Kosmos. Die Auseinandersetzung mit René Magritte führt darüber hinaus dazu, dass ein ganz neues Element Einzug in Kitzmüllers Schaffen hält: Der Humor. Mit surreal anmutendem Witz lockert der Künstler die Ernsthaftigkeit der von ihm gewählten Thematik auf und führt die Reflexion über den Prozess der Verwandlung auf eine neue Ebene heiterer Leichtigkeit.
Ein Hauptthema, dem sich Anton Kitzmüller seit 1992 verschrieben hat, ist der Motivkomplex des Cafés. Allerdings sind auch hier in den neueren Arbeiten deutliche Zeichen der Veränderung abzulesen: Waren die Gemälde früherer Schaffensperioden gekennzeichnet von metaphysischer Leere einerseits oder der Dominanz einer Person im Bild andererseits, so hat nunmehr eine Synthese beider Elemente stattgefunden. Figur und Raum werden gleichermaßen Aufmerksamkeit zuteil, sodass sich für den Betrachter mehrere Anknüpfungspunkte für eine intellektuelle wie emotionale Beschäftigung mit den Gemälden bieten. Mit betont inhaltlicher Sinngebung und Bezügen zur europäischen Kulturgeschichte stellt sich Anton Kitzmüller gegen die weitgehend sinnentrückte Beliebigkeit der Gegenwartskunst.
Auffällig häufig begegnen wir in den jüngsten Werken des Künstlers Figuren in Rückenansicht. Dies ermöglicht dem Betrachter, sich mit der jeweils dargestellten Person zu identifizieren, wie diese einen neuen Blickwinkel einzunehmen und die Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt zu überschreiten. Diese Schwelle, die es im Zuge der persönlichen Metamorphose zu überwinden gilt, wird von Kitzmüller mittels Türen, Toren, Fenstern und Vorhängen illustriert. Sie dienen als Symbole für die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt und sollen uns ermutigen, unsere Lebensinhalte zu reflektieren und gegebenenfalls neu zu bewerten, aus dem eigenen Gedankenkarussell auszusteigen und einen Schritt in die Freiheit zu wagen.
Abschließend ist es interessant festzustellen, dass die Gemälde Anton Kitzmüllers, obwohl um die überaus dynamische Thematik der Verwandlung kreisend, dennoch sehr häufig im Quadratformat gehalten sind. Dieses gilt seit seiner Verwendung durch die Secessionisten nicht nur als das „österreichischste“ unter den Formaten, sondern kann vor allem als die Form der Ruhe und Ausgeglichenheit angesehen werden. Darin lassen sich zwei Aussagen des Künstlers erkennen: Zum einen können Transformationsprozesse nur gelingen, wenn Innenwelt und Außenraum ausbalanciert und eigene Bedürfnisse ins Gleichgewicht gebracht werden mit Chancen und Möglichkeiten der uns umgebenden Umwelt. Zum anderen ist es von eminenter Bedeutung für die Sinngebung unseres Lebens, dass Veränderung aus der Ruhe entsteht und wir dabei unseren wahren Intentionen folgen. So kann sich unsere Persönlichkeit in individuellen Entwicklungsschritten in der Welt manifestieren. Die Metamorphosen Anton Kitzmüllers sollen dazu inspirieren.

 

Anton Kitzmüller, Die Elegien
aus Katalog Elegien, Anton Kitzmüller

 

Meine Malerei beinhaltet einen dreigliedrigen Prozess: Das Erschauen eines inneren Bildes, das handwerkliche Erarbeiten der äußeren Welt, und die künstlerische Zuwendung zum inneren Bild. Die Bilder entstehen im Erschauen einer tieferen Wesenheit in der äußeren Welt. Dieses vorerst unbewusste Erkennen manifestiert sich in einem inneren Bild, welches nicht nur auf das innere Wesen des Bildobjektes hinweist, sondern sowohl mit meiner persönlichen Entwicklung als auch mit der geistigen Entwicklung der Menschheit in einem allegorischen Zusammenhang steht.
Durch einen, von der äußeren Umgebung abgetrennten Arbeitsvorgang kann ich dieses innere Bild ins Bewusstsein heben. Bei einem ständigen Arbeiten vor der Natur würde sich der Einblick in eine tiefere Wesenheit in der Äußerlichkeit auflösen. Nachdem ich Form und Struktur dieses inneren Bildes durch Skizzen in mein Atelier transportiert habe, beginne ich nun mit der Darstellung dieser äußeren Welt auf Leinwand. Lasurmalerei, die durch eine Vielzahl von Höhungen und Lasuren eine stetige Verdichtung erreicht, wird kombiniert mit Primamalerei. Ein stetiger Wechsel dieser beiden grundlegenden Wege der Malerei, ein dialektischen Zusammen- und Gegenspiel auf technischer Ebene, das auf gegenseitige Akzeptanz von Form und Farbe, von Gemeinschaft und Individualität ausgelegt ist.
Im künstlerischen Prozess bewegen sich die Bilder nun von der realen äußeren Welt den inneren Bildern zu, welche nun vom Unterbewusstsein ins Bewusstsein treten. Diesmal beginnt ein dialektisches Zusammen- und Gegenspiel auf geistiger Ebene. Durch die Hebung ins Geistige, formen sich die Bilder.

 

Anton Kitzmüller, Petite Fleur
aus Katalog Petite Fleur, Mag. Dr. Peter Assmann

 

Die Faszination mit den Mitteln der Malerei Erinnerungsbilder an frühere Bilderfahrungen zu gestalten ist zentraler Motor für die künstlerische Arbeit von Anton Kitzmüller. Seine Bilder, die in den letzten Jahren entstanden sind, sind stets abbildhaft, also bildhafte Objektzitate.

 

Anton Kitzmüller
aus Vernissage, Mag. Gerlinde Szaal

 

Anton Kitzmüller entwickelte sich konsequent zu einer eigenständigen Künstlerpersönlichkeit, deren Werk zwar durchaus der Zeit entsprechend, aber ganz bewusst nicht dem öffentlichen Modediktat huldigend begegnet. Der Oberflächlichkeit neuerer malerischer Modeströmungen setzt Kitzmüller eine Einheit von Form, Inhalt und Aussage entgegen, wobei er auch der menschlichen Figur als Ausdruck von Sinnhaftigkeit und Spiritualität neuen Wert verleiht. In formaler Hinsicht kann Kitzmüller als ein Brückenbauer zwischen den Zeiten gesehen werden. In seiner vielschichtigen Lasurtechnik zeigt er sich als ein Bewahrer vergessener Erfahrungen alter Meister und demonstriert gleichzeitig, wie man heute damit schöpferisch und durchaus zeitgemäß umgehen kann.

 

Anton Kitzmüller
aus Palette & Zeichenstift, Siegrid Leitner

 

Gegenwärtig sieht sich der Künstler in einem Entwicklungsprozess hin zu einer Neuen Figürlichkeit. Seine Bilder sind Unikate von inneren und äußeren Momenten. Sie sind eindringlich, ohne aufdringlich zu sein. Sie gehören dem Erlebten ebenso an wie dem Erinnerten. Sie wecken Assoziationen und Emotionen und lassen Ansichten zu Einsichten werden. In ihnen erblickt man eine andere Welt. Er inszeniert seine Objekte und rückt sie durch Aus- und Beleuchtung in den Mittelpunkt, wie das Beispiel Morgen im Birkenwald zeigt.

 

Anton Kitzmüller
aus Vernissage, Dr. Maria Buchsbaum

 

Nach wechselvollen Lehrjahren mit differenzierten Anlehnungen an Alte Meister und Klassische Moderne hat Anton Kitzmüller nun zu einem Personalstil gefunden. Dieser bleibt zwar thematisch bezogen, will aber nach einem speziellen Konzept weder literarisch, noch phantastisch, sondern nach einem sehr individualistischen Konzept poetisch sein. Die Zurücknahme auf eine geradezu naive Schlichtheit, auf magisch realistische Distanziertheit, ebenso wie die fallweise Umsetzung von Naturformen in streng konstruierte Farbformen und Farbflächen charakterisieren Kitzmüllers Bilder.

 

Presseberichte

Die Kunststadt Wien hat ihn in seiner Ausbildungszeit sehr geprägt. Seine Malerei beeindruckt durch die klaren Linien in der Bildaussage. Realistisch, höchst malerisch in erdigen sinnlichen Grün, Braun, dunklem Rot und in Goldtönen zeigt er eigentliche Rauminszenierungen. Erdiges Rot steht in Kontrast zu dunklem Grün und schafft eine Atmosphäre voller Sinnlichkeit, die gemalten Tango tanzenden Figuren bewegen sich wunderbar darin. Seine Ausrichtung ändert sich immer wieder, so entdeckt man in seinen neuesten Bildern surrealistische Elemente, die einem eine Traumwelt voller Schönheit vorgaukeln. Man erlebt einen äußerst interessanten Maler mit großer künstlerischer Erfahrung.
Oltener Tagblatt, Madeleine Schüpfer, 2010
 

Ist er ein Surrealer oder ein Neuer Sachlicher? Anton Kitzmüller legt sich da nicht fest. Sein beachtliches Werk schwebt zwischen Realität und Vision. Anton Kitzmüller zählt zu den stillen Malern. Seine ersten Werksphasen waren vom phantastischen Realismus beeinflusst. Kitzmüller ging meist vom Selbstportrait aus, entwickelte rund um dieses Thema rege Phantasien: Er zeigt sich in fremden Welten, ließ sich altern oder spielte mit Vorlagen aus der Kunstgeschichte. In seiner jüngsten Werkphase hat er den Menschen längst aus den Bildern verdrängt. Trotz warmer Farben tritt die Kühle und die Anonymität des städtischen Lebens in den Vordergrund. Alles wird zur Inszenierung. Kitzmüller gibt in diesen Serien der Neuen Sachlichkeit einen modernen Auftritt und einem alten Thema auch zeitgemäße Bedeutung.
OÖ Kronenzeitung, 2006
 

Melancholie und Einsamkeit vermitteln viele seiner Menschenbilder. Schwermütig ist sein Blick in Selbstportraits und Titel wie Die Verzweiflung und Die abgetriebene Familie dokumentieren, dass sich Kitzmüller wohl in mehreren Schaffensperioden intensiv mit der Ars Moriendi beschäftigt hat. Nicht zu übersehen ist dabei die Perfektion, die Hintergründigkeit und das persönliche Engagement, mit dem sich der Künstler der Gruppe der Realismusgeilen Betrachter entgegenstellt.
Oberösterreichischen Nachrichten, 2006
 

Brillant auf die Leinwand gebannte Lichtspiele offenbaren einen rätselhaften Zauber auf roten Ledersesseln. Magisch beginnt das Bild zu leben: Obwohl keine Kaffeehausgäste zu sehen sind, meint der Betrachter sie zu hören, gleichsam mit ihnen sprechen zu können. Insbesondere sei die besondere Technik der Bilder zu beachten: Der Künstler arbeitet schichtenweise und erreicht durch eine Vielzahl von Höhungen und Lasuren eine stetige Verdichtung. Kombiniert mit Primamalerei. Satte Farben in warmen Kontrasten, Flächen, Formen, Spiegelungen vereinen sich so zu einem magisch anmutenden Resultat.
Goslarsche Zeitung, Carin Crammer, 2005
 

Anton Kitzmüller faszinieren die menschenleeren Cafés, die Möglichkeit Raum zu inszenieren und mit intensiver, realitätssteigernder Farbigkeit zu durchsetzen. In seinen Bildern nimmt der Künstler stets die Position des sitzenden Betrachters ein. Aus diesem Blickwinkel fügt er seine empfundene Räumlichkeit, die bisweilen kühle und strenge Sachlichkeit des Interieurs in einem magischen Realismus zusammen. Vielleicht mag sich so mancher im ersten Augenblick an den großen amerikanischen Realisten Edward Hopper erinnert fühlen. Hopper jedoch lässt der Trostlosigkeit und Isolation des einzelnen Menschen in einer leeren und kalten Welt Raum, während Anton Kitzmüller in seinen Darstellungen dem Individuum Stimmungs- und Gefühlswelten zugesteht und den Ausblick offen hält.
Münsterländer Zeitung, 2004
 

Kitzmüller nimmt in seinen Bilder den Blick es sitzenden Beobachters ein. Aus dieser Position heraus arrangiert er ein Kaffeehausambiente, wo die Zeit festgefroren ist. Er  malt in realistischer Absicht, baut die Konstruktion aus Licht und Schatten, um Raumtiefe zu erreichen, und macht vor einer Reflexion über die Malerei selbst nicht halt. Gemalte Bilder in den Kaffeehauswänden sind immer konträr zu Kitzmüllers Stil. Durchgänge und Einblicke in nächste Räume sind mit Spiegelwänden zu verwechseln. Das Bild im Bild im Bild kommt in Gang, zur Magie der zeitlosen Stimmung kommen Aspekte dazu, die Malerei zur rätselhaften Parallelwirklichkeit werden lässt.
OÖ Kronenzeitung, Vera Rathenböck, 2004
 

Trotz Verwandtschaften mit Stilrichtungen der klassischen Moderne habe Kitzmüller aber seinen eigenen Personalstil gefunden. Der Künstler bliebe zwar thematisch auf Traditionen der Malerei bezogen, möchte aber weder literarisch noch phantastisch, sondern nach einem eigenen Konzept poetisch sein. Durch das Zusammenspiel von kreativer Raumplanung, realitätssteigernder Farbigkeit und illusionistisch gesetzten Lichtpunkten, sowie durch die Wechselwirkung von Lasur- und Primamalerei erfährt der Malgrund eine schöpferische Verdichtung, die dem Einszueinsanspruch des Fotorealismus eine gefilterte Welt entgegensetzt.
Celler Zeitung, Aneka Schult, 2004
 

Mehrere Schichten und Lasuren setzt der Aigner-Schüler auf satte Braun-Röt-Töne, spielt mit der Perspektive wie einer der weiß, dass er sie nicht nötig hat, weil auch trotz des Zusammenrückens in eine Ebene noch genug Tiefe bleibt, und erreicht eine Atmosphäre, die in diesem Jahrgang ihresgleichen sucht. Dieser Anton Kitzmüller ist eine Art Neo-Romantiker. Und bekennt sich dazu. Die ihn umgebend Idylle im nahen Österreich macht ihn zu einem, der offensichtlich nur so malen kann, wie er es tut. Seine Bilder sind in ihrer Umsetzung ebenso klar und sachlich, wie liebenswert-behutsam. Anton Kitzmüller ist für Überraschungen gut, die größere jedoch ist fraglos die Einfachheit der Form. Sie macht diesen Künstler aus. Denn: Sie reiht ihn nicht ein, sie hebt ihn heraus.
Rhein-Main Echo, Dr. Gundel-Maria Busse, 2003
 

Der Österreicher ist ein realistischer Maler, doch einer, der die Gegenständlichkeit mit einer magischen Anmutung versieht. Kaum spürbar rückt er dabei vom fotorealistischen Abbild ab, setzt behutsam die vorgefundenen Motive zurecht, taucht das, was er sieht in Farben, die mit einem Tropfen Märchentinte angereichert zu sein scheinen.
Rheinische Post, Peter Klucken, 2002
 

Die wachsende weltweite Aufmerksamkeit konzentriert sich auf einen eigentlich traditionellen Maler mit Blick auf den Menschen und die Architektur ihrer häufig alten Städte und Landschaften. Mit einer fast naiven Schlichtheit schafft Kitzmüller mit seiner Ölmischtechnik beinahe fotorealistische Authentizität. Streng konstruierte Farbflächen erzeugen romantisch wirkende Stimmungsbilder.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Thomas Becker, 2002
 

Ich kann nur malen, was ich liebe, bekennt Kitzmüller. Deshalb zieht es ihn immer wieder an bestimmte Orte, auch an jene, wo er sich nicht besonders wohl gefühlt habe. Er müsse die Orte kennen, sie zu allen Tages- und Jahreszeiten erfahren haben. Dann erst sei er in der Lage, sie aus der Erinnerung heraus in seiner Mischtechnik, die ihre Wurzeln bei Dix, Schiele und auch Kokoschka habe, auf die Leinwand zu bringen.
Neue Ruhrzeitung, Ulla Saal, 2002
 

Als erstes fällt auf, wie viel der Maler Anton Kitzmüller an technischer Raffinesse einsetzt. Er widmet sich den Motiven mit größter Hingabe und erfasst die Details mit geradezu fotographischer Genauigkeit. Man täte ihm unrecht spräche man von einem fotographischen Realismus. Kitzmüller strebt nicht die bloße Wiedergabe an, und schon gar nicht geht es ihm um ein naives erfassen der Wirklichkeit, er lädt, gerade für seine Kaffeehausbilder gilt dies, die Szene magisch auf.
Salzburger Nachrichten, Dr. Werner Thuswaldner, 2001
 

Die Farbigkeit seiner in der Technik der alten Meister gemalten, Licht zu Glanz und Funkeln bringenden Momentaufnahmen faszinieren. Sie zeigen Anklänge an die neue Sachlichkeit wie überhaupt an die klassische Moderne, der Künstler selbst spricht beim Thema Einflüsse von Schiele und Dix, rufen Emotionen beim Betrachter hervor.
Goslarsche Zeitung, 2001

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